Tag der Begegnung und Versöhnung zwischen Mennoniten und dem Kanton Bern 

Die Mennoniten in der Schweiz sprechen der Regierung des Kantons Bern Vergebung aus für das Leid, das ihren Vorfahren, den Täufern und Täuferinnnen, zugefügt wurde. Sie antworten damit auf eine Bitte um Verzeihung, die der Berner Regierungspräsident Christoph Neuhaus als Kirchendirektor stellvertretend ausgesprochen hatte. Der Versöhnungsschritt reiht sich ein in die offiziellen Versöhnungsschritte, die bisher zwischen der reformierten Kirche und den Mennoniten gemacht wurden.

In Tavannes im Berner Jura hat am Karsamstag eine Versöhnungsfeier zwischen den Mennoniten in der Schweiz und der Regierung des Kantons Bern stattgefunden. In einer Erklärung hielten die Mennoniten fest, dass sie der Berner Regierung für das Leid vergeben, das diese den täuferischen Vorfahren der Mennoniten vom 16. bis ins 18. Jahrhundert zugefügt hatte. Damit antwortetet die historische Friedenskirche auf die Bitte um Verzeihung, die der Berner Regierungspräsident Christoph Neuhaus im November 2017, damals noch Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor, stellvertretend ausgesprochen hatte. 

Bitte um Verzeihung sorgfältig gewürdigt

«Wir haben uns sehr über die Bitte um Verzeihung gefreut. Sie zu würdigen und einzuordnen hat etwas Zeit gebraucht, die wir uns auch genommen haben», sagt Jürg Bräker, Generalsekretär der Konferenz der Mennoniten der Schweiz. Seit November 2017 gab es verschiedene Gespräche innerhalb der Gemeinschaft der Schweizer Mennoniten sowie mit der Regierung des Kantons Bern. Diese haben in die heutige Versöhnungsfeier gemündet. Für die Feier anwesend waren unter anderem der Berner Regierungspräsident Christoph Neuhaus, der Beauftragte für kirchliche Angelegenheiten in der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion, Martin Koelbing, der Vorstand der Konferenz der Mennoniten der Schweiz sowie Vertreterinnen und Vertreter aus den dreizehn Mennonitengemeinden in der Schweiz. 

Wegen Kritik an Allianz zwischen Kirche und Staat verfolgt

Die Mennoniten sind aus der Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts entstanden. Die Täufer waren Teil der Reformationsbewegung und vertraten damals ganz ähnliche Anliegen wie die Reformatoren. Sie hatten aber eine andere Meinung darüber, wie und wie schnell die Neuerungen umgesetzt werden sollten. Zudem schwebte den Täufern im Gegensatz zu den Reformatoren eine Kirche vor, die unabhängig vom Staat ist und auf freiwilliger Mitgliedschaft basiert. Auf die Ausbreitung der Täuferbewegung reagierten die staatlichen und kirchlichen Obrigkeiten auch im Kanton Bern mit Repression und Verfolgung. In seiner Rede im Rahmen der Versöhnungsfeier benannte Regierungspräsident Christoph Neuhaus die Verfolgung der Täufer als Unrecht, das bei den Nachkommen der Betroffenen bis heute Spuren hinterlassen habe. Er betonte die Wichtigkeit des Erinnerns und wiederholte die Bitte um Verzeihung gegenüber den anwesenden Mennonitengemeinden. Diese antworteten in ihrer Erklärung: «Ja, wir vergeben.»

Einer von vielen Versöhnungsschritten

Der Versöhnungsschritt zwischen Mennoniten und Berner Regierung reiht sich ein in die offiziellen Versöhnungsschritte, die bereits zwischen den Mennoniten und der reformierten Kirche unternommen wurden. Der Historiker und Spezialist für Täufergeschichte Hanspeter Jecker  ordnete diese in seiner Ansprache in die grösseren Zusammenhänge ein. «Die Mennonitinnen und Mennoniten in der Schweiz hoffen, dass diese Schritte der Versöhnung kooperative Kräfte des Friedens und der Gerechtigkeit freisetzen, die unserem Lande zugutekommen und über seine Grenzen hinaus wirken werden», sagt Jürg Bräker. 

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Erklärung der Konferenz der Mennoniten der Schweiz an den Regierungsrat des Kantons Bern (.pdf)

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