In der Demokratischen Republik Kongo hat die Gesundheitskrise die täglichen Schwierigkeiten der Bevölkerung verschärft. Wie kommen mennonitische Gemeinschaften damit zurecht?
Das Jahr 2020 sollte gemäss der Versprechen der neuen Regierung das Jahr der Hoffnung werden. Doch leider wandelten sich diese Hoffnungen bald in Enttäuschung und Angst. Die Covid-19-Pandemie traf die Demokratische Republik Kongo (DRK) und andere afrikanischen Ländern. Die Afrikaner denken: “Wenn grünes Holz brennt, was passiert dann mit trockenem Holz? “Tatsächlich sagte die Weltgesundheitsorganisation, wie in den Medien berichtet wurde, das Schlimmste für Afrika voraus. In der DRK haben die Verhängung des Ausnahmezustands im März 2020 und die Ankündigung der Provinzregierung, die Stadt Kinshasa abzusperren, Panik im Land gesät.
STAND DER DINGE IN DER DRK
Die Demokratische Republik Kongo ist ein riesiges Gebiet im Herzen Afrikas. Seine Bevölkerung wird auf mehr als 80 Millionen Menschen geschätzt. Seine Hauptstadt Kinshasa ist eine Megalopolis mit etwa 12 Millionen Einwohnern. Die wirtschaftliche Lage des Landes hat sich sehr verschlechtert. Die Bewohner der Städte leben von der Wirtschaft des Einfallsreichtums. Der Osten des Landes wird nach wie vor von Gewalt geplagt. Bewaffnete Gruppen säen Tod und Verwüstung. In den Städten grassiert Banditentum und führt zu weiteren Toten.
DIE COVID-19-EPIDEMIE
Die ersten bestätigten Fälle von Covid-19 traten in Kinshasa auf. Nach Verhandlungen entschied sich die Regierung schließlich für einen teilweisen Lockdown der Stadt. Ein Lockdown der gesamten Stadt hätte in der Tat eine Lebensmittelkrise mit dramatischen Folgen verursacht. Die Massnahmen zur Abgrenzungen wurden zur obligatorisch. Die Pandemie breitete sich auf andere Provinzen aus: Kongo-Zentralkongo, Nord-Kivu, Süd-Kivu, Lualaba, Kwilu, Kwango usw. Es wurden 264 Todesfälle bei insgesamt 10390 bestätigten Fällen registriert (Daten vom 14. September 2020).

MENNONITISCHE PRÄSENZ
Mennoniten sind in 11 der 26 Provinzen der DRK vertreten. 1911 kamen nordamerikanische Mennoniten in das Land. Bis vor kurzem gab es in der DRK drei mennonitische Gemeinschaften, die Teil der Mennonitischen Weltkonferenz sind und um eine nationale Plattform namens Comité National Inter Mennonite (CONIM) gruppiert sind. Diese Plattform bietet einen beständigen Rahmen für Dialog, Austausch und die Suche nach Einheit unter den kongolesischen mennonitischen Gemeinschaften. Infolge von Spaltungen innerhalb der Gemeinschaften sind andere Unionen mennonitischer Kirchen entstanden, die jedoch nicht zur MWK gehören.
LEBENSBEDINGUNGEN WÄHREND DER GESUNDHEITSKRISE
Die Lebensbedingungen des kongolesischen Volkes haben sich in den letzten zwei Jahren verschlechtert. Die Covid-19-Pandemie hat eine bereits chaotische Situation noch verschlimmert. Die kongolesischen Mennoniten leiden wie der Rest der Bevölkerung. Sie leiden an Hunger und Krankheiten, die auf den Mangel an sauberem Trinkwasser zurückzuführen sind, sowie Arbeitslosigkeit und Armut. Die Schließung von Kirchen erschwert die Durchführung von Solidaritätsaktionen mit Bedürftigen. Viele Mitglieder tragen ihre Lasten allein. Weil wegen der Pandemie die Ressourcen knapper werden, gehen auch die Spenden in den Gemeinden zurück, was wiederum die Familien der Pastoren in Schwierigkeiten bringt.
ABSCHLIEßEND, WAS WIR IN DIESER ZEIT GESEHEN HABEN
Auf nationaler Ebene:
- Verschärfung der Nahrungsmittelkrise in städtischen Familien.
- Wirtschaftliche und soziale Krise, die durch die Verlangsamung der formellen und informellen wirtschaftlichen Aktivitäten noch verschärft wird.
- Zahlreiche Fälle von Todesfällen im Zusammenhang mit Covid-19 und anderen Krankheiten in der Stadt Kinshasa.
Unter Mennoniten :
- Keine Fälle von Covid-19-Todesfällen in kongolesischen Mennonitengemeinschaften.
- Hausgemeinden werden gestärkt, Betreuungsteams werden gebildet zur Ermutigung von Familien.
- Verstärkte Nutzung von Internet-Tools, WhatsApp, Facebook, SMS-Textnachrichten, um biblische Botschaften und andere Informationen über die Pandemie und und das Gemeinschaftsleben an die Mitglieder zu senden.
AUSBLICK AUF DIE ZEIT NACH DER KRISE
Der Glaube an Gott und der Glaube an die grossen Anstrengungen derer, die im Gesundheitswesen tätig sind, lassen uns hoffen, dass diese Pandemie ausgerottet wird. In der Demokratischen Republik Kongo geht sie jedoch vorerst weiter, und die Folgen für die Bevölkerung sind dramatisch. Das Elend des kongolesischen Volkes hat sich in dieser Zeit verdoppelt. Die Gefahr, dass das Land aufgrund der sozialen Spannungen im Chaos versinkt, ist überall zu spüren.
Auf der Ebene der mennonitischen Gemeinschaften müssen sich die Leitenden auf die Herausforderungen vorbereiten, die nach dem Ende der Covid-Krise auf sie wartet. Sie müssen in der Lage sein, mit den Veränderungen fertig zu werden, die nach dieser Pandemie auf die Welt zukommen. Tiefgreifende Veränderungen sind auf globaler Ebene in allen Bereichen des menschlichen Lebens möglich. Daher werden die kongolesischen mennonitischen Kirchen Leiter und Leiterinnen für den Wandel brauchen, die motiviert, engagiert und mit Leidenschaft bei der Sache sind, und in der Lage sind, die gesamte Entwicklung der Gemeinschaften und des Landes voranzutreiben.
MULLER NDUNZI, Provinzvertreter der Gemeinschaft Mennonitische Brüdergemeinden in Kinshasa

ZU DIESEM ARTIKEL UND DEM FRANKOPHONE MENNONITISCHEN NETZWERK
Dieser Artikel wurde vom Réseau Mennonite Francophone (RMF) veröffentlicht und erscheint auch in Le Lien, Quebec, im Christ Seul (Frankreich) und auf der Website der Mennonitischen Weltkonferenz (www.mwc-cmm.org). Koordination der Veröffentlichung von Artikeln: Jean Paul Pelsy