Nach längerer Krankheit verstarb am 24. Juni 2020 der auch in unseren Schweizer Mennonitengemeinden bekannte Theologe, Dozent und Gemeindeleiter Alfred Neufeld aus Paraguay in seinem 65. Altersjahr.
Die weltweite mennonitische Gemeinschaft verliert mit Alfred Neufeld einen ihrer international bekanntesten Theologen und eine ihrer profiliertesten Leitungspersönlichkeiten. Er starb in einer Klinik in Münster (BRD), als Folge einer schweren Tumorerkrankung. Er hinterlässt seine Frau Wilma und vier erwachsene Kinder.

Alfred Neufeld war nach seiner Ausbildung in Paraguay, der Schweiz und den USA Präsident der Protestantischen Universität Paraguays in Asunción und Dekan der dortigen Theologischen Fakultät.
Eine wichtige Rolle spielte Alfred Neufeld auch im Rahmen der Mennonitischen Weltkonferenz MWK. Er war einer der Vordenker und Ideengeber für die neue MWK-Struktur mit ihren 4 Kommissionen «Frieden», «Diakonie», «Glauben und Leben» und «Mission». Diese Struktur wurde ab 2008 implementiert und Alfred Neufeld diente als erster Präsident der Kommission für Glauben und Leben. Bereits 2007 publizierte er im Auftrag der MWK ein Buch über täuferisch-mennonitische Überzeugungen mit dem Titel “Was wir gemeinsam glauben” (Deutsche Übersetzung 2008 im Neufeld-Verlag). Aktuell war er Vorsitzender der Kommission für das MWK-Projekt «Renewal 2027». (Mehr dazu unter https://mwc-cmm.org/renewal-2027)
Im ökumenischen Kontext vertrat er die MWK bei einer Weltmissionskonferenz und er gehörte zur mennonitischen Delegation im trilateralen Dialog über die Taufe (MWK, Lutherischer Weltbund, Vatikan).
Mit der Schweiz war Alfred Neufeld auf vielfältige Weise verbunden. Von 1977 bis 1980 studierte er in Basel Theologie und war während dieser Zeit Jugendpastor in der lokalen spanischsprachigen Gemeinschaft. Nach weiteren Studien in Süd- und Nordamerika (z.B. am Mennonite Brethren Seminary in Fresno Ca.) kehrte er 1992 bis 1994 mit seiner Familie für sein Doktoralstudium nach Basel zurück (STH, Uni Basel). Hier diente er in dieser Zeit als Pastor der Mennonitengemeinde Basel-Holee.
Seit 1993 unterrichtete er für viele Jahre regelmässig als Gastdozent am Theologischen Seminar Bienenberg (Liestal / Schweiz) im Rahmen des Masterprogramms. Auch hier war Alfred Neufeld sehr geschätzt als einfühlsamer und fairer kirchlich-theologischer Brückenbauer zwischen verschiedenen Frömmigkeitskulturen. Seine Warmherzigkeit, seine kontaktfreudige Spontaneïtat und seine Menschenliebe – gepaart mit akademischem Scharfsinn, einer raschen Auffassungsgabe und einer grossen Liebe zu Kirchen und Gemeinden – haben zahlreiche Studierende und Mit-Unterrichtende inspiriert und herausgefordert und bis in die Gegenwart nachhaltig geprägt.
Der Tod Alfred Neufelds hinterlässt nicht nur in seiner Familie, sondern auch in der globalen mennonitischen Gemeinschaft und weit darüber hinaus eine grosse und schmerzhafte Lücke. Was bleibt, das sind aber vor allem auch seine vielen Impulse, die er uns in seinen Texten und Vorträgen, und vor allem auch in seinem persönlichen Beispiel hinterlassen hat und für die uns grosse Dankbarkeit erfüllt.
Hanspeter Jecker
Für eine ausführliche Würdigung vgl. die MWK-Website https://mwc-cmm.org/stories/alfred-neufeld