Das Täuferische Forum für Frieden und Gerechtigkeit lädt am 23. April dazu ein, über die Relevanz von gewaltfreiem Widerstand in Zeiten des Kriegs nachzudenken. Samuel Cacciabue erklärt wieso.
Was hat das Täuferische Forum für Frieden und Gerechtigkeit (TFFG) bewogen, einen Austausch über gewaltfreien Widerstand in Kriegszeiten zu organisieren?
Samuel Cacciabue: Der Krieg in der Ukraine hat ganz Europa erschüttert. Eine echte, unvorhersehbare Katastrophe, unwirklich, ein Albtraum. Als ob Krieg etwas Neues wäre… Die russische Regierung beschloss, Ukrainer zu töten. Und die Ukrainer, unterstützt vom gesamten Westen, beschlossen, Russen zu töten, um sich zu verteidigen. Das ist logisch: Im Krieg wird auf Gewalt mit Gegengewalt reagiert. Man kann Stunden damit verbringen, die Medien nach friedlichen Vorschlägen zu durchsuchen, also nach Ideen, wie man auf Krieg anders reagieren kann als mit Gewalt. Man findet nichts. Die einzige Antwort, die gegeben wird, ist: mehr Waffen, mehr Gewalt, mehr Tote.

Samuel Cacciabue arbeitet als Pädagoge in einem Kunstatelier für Jugendliche mit psycho-sozialen Schwierigkeiten. Er ist Mitglied der Mennonitengemeinde Brügg und engagiert sich im TFFG.
Ist es nicht verständlich, dass sich die Menschen in der Ukraine mit Waffen verteidigen?
SB: Ich verurteile die Ukrainer:innen nicht, die sich auf diese Weise verteidigen. Ehrlich gesagt weiss ich nicht, was ich an ihrer Stelle tun würde. Aber wir, in unseren Bürostühlen und Wohnzimmersesseln, sind wir wirklich nicht in der Lage, uns etwas anderes vorzustellen, auch wenn es theoretisch erscheinen mag? Das ist die brennende Frage, mit der wir uns beschäftigen müssen und das ist der Zweck des Abends, den wir mit dem TFFG organisieren. Wir werden sicherlich in der kurzen Zeit keine endgültigen Antworten finden. Aber wir hoffen, alle zu ermutigen, die es wagen, sich vorzustellen, dass eine Alternative zu Waffengewalt möglich ist. Der Abend ist auch als erster Schritt in einem längeren Prozess gedacht, während diesem wir mit allen interessierten an dem Thema arbeiten möchten. Nächsten Sommer haben wir beispielsweise ein Symposium vorgesehen.
Als Referent:innen sind Izabel Barros vom cfd Christlicher Friedensdienst, Hansuli Gerber vom TFFG und Ramazn Özgü von der Hizmet Bewegung Schweiz vorgesehen. Das klingt nach einem spannenden und abwechslungsreichen Abend. Was hat euch bewogen, diese Personen auszuwählen?
SB: Wir haben das Glück, Hansuli Gerber unter uns zu haben. Er ist ein Spezialist für die Fragen rund um gewaltlosen Widerstand und es wäre schade, wenn wir sein Wissen und seine Kompetenzen nicht nutzen würden! Die Wahl des cfd ist kein Zufall: Der feministische Weg scheint uns eine vorrangige Spur zu sein. Und es freut uns, unseren Horizont mit Ramazan Özgü, türkischer Herkunft, zu erweitern. Er wird uns daran erinnern, dass es nicht nur unsere kleine Gruppe von Gleichgesinnten ist, die sich mit diesen Fragen befasst.
Wer ist alles eingeladen und muss man sich anmelden?
SB: Alle sind eingeladen und können ohne Anmeldung einfach kommen. Insbesondere diejenigen, die angesichts der Realität des Krieges Zweifel bekommen haben, dass Gewaltfreiheit möglich ist. Wir organisieren den Abend im «Ein Haus pour Bienne», einem alternativen soziokulturellen Begegnungszentrum, das eher von Jugendlichen im Sinne einer interkulturellen Begegnung genutzt wird. Unser Wunsch, den klassischen Rahmen von Kirchen oder Institutionen zu öffnen, ist sehr stark!